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Nur ein Drittel der Generation „Silver Surfer“ fühlt sich im Internet sicher

Wie ist es um die digitalen Kompetenzen der Bürger in Deutschland bestellt? Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt den großen Bedarf an Unterstützungsangeboten - besonders für die älteren Generationen.

Gütersloh, 24. Juli 2019. Souverän mit den unterschiedlichen digitalen Services und Anwendungen umgehen zu können, ist im Zeitalter der Digitalisierung für alle Generationen eine notwendige Kompetenz. Digital souverän handeln zu können, bedeutet mehr als nur zu wissen, wie man eine App auf sein Smartphone herunterlädt oder Onlinebanking anwendet. Kann ich die Folgen meines eigenen Handelns im Netz richtig einschätzen? Weiß ich mit Aktualisierungen und Neuentwicklungen umzugehen?

Die repräsentative Bevölkerungsbefragung "Digitale Kompetenzen im Alter" vom Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag der Bertelsmann Stiftung geht der Frage nach, wie sicher sich die Menschen in Deutschland im Internet und beim Umgang mit Smartphone und Co. fühlen. Die Ergebnisse zeigen: In Sachen digitaler Kompetenzen besteht hoher Handlungsbedarf. Insgesamt fühlen sich 63 Prozent der Befragten eher sicher bis sehr sicher im Umgang mit dem Internet. Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich ein anderes Bild: Während 79 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sich eher sicher bis sehr sicher fühlen, gilt das nur für 41 Prozent der 60- bis 69-Jährigen. Und bei den über 70-Jährigen fühlt sich nur jeder Dritte (36 Prozent) eher sicher bis sehr sicher im Umgang mit dem Internet. Das heißt, bei den älteren Generationen besteht Nachholbedarf bei den digitalen Kompetenzen.

Digitale Services und Angebote als Chance der Generation "Silver Surfer"

Digitale Services und Anwendungen bieten gerade den älteren Generationen große Chancen: Sie können dazu beitragen, dass Ältere so lange wie möglich selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben können – unabhängig davon, ob sich dieses in der Stadt oder auf dem Land befindet. Zum Beispiel, weil sie die notwendigen Dinge des täglichen Lebens online bestellen, wenn sie nicht mehr mobil sind, oder mit der Familie und Freunden per Smartphone kommunizieren können. Souverän mit digitalen Angeboten und Services umzugehen, ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Bei der Selbsteinschätzung der eigenen Kenntnisse im Bereich digitaler Technologien, Anwendungen und Gefahren zeigt sich: 64 Prozent der Befragten schätzen die eigenen Kenntnisse hier als eher gut bis sehr gut ein. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 89 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen 50 Prozent und bei den über 70-Jährigen nur noch 36 Prozent.

Drei Viertel der Bevölkerung sind auf das Internet angewiesen

Fragt man die Bevölkerung, wie stark sie bereits heute auf das Internet und den Einsatz digitaler Technologien angewiesen ist, sagen 76 Prozent der Befragten, dass sie bei der Suche nach Informationen eher stark bis sehr stark darauf angewiesen sind. 68 Prozent geben an, dass dies bei der Kommunikation mit Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern der Fall ist. Dagegen sind nur 27 Prozent bei behördlichen Angeboten, von denen es online bisher nur eine begrenzte Zahl gibt, eher stark bis sehr stark auf digitale Kanäle angewiesen.

Ein Blick in die Zukunft macht deutlich, dass die Bevölkerung von einem starken Bedeutungszuwachs des Internets und digitaler Technologien in vielen Bereichen des täglichen Lebens ausgeht. Während die Werte für die Suche nach Information (78 Prozent) und Kommunikation mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern (74 Prozent) nur moderat steigen, ist der Bedeutungsgewinn im Bereich behördlicher Angelegenheiten (62 Prozent) besonders auffällig.

Digitale Daseinsvorsorge für die älteren Generationen

Gerade für die vielen älteren Menschen besteht mit Blick auf die steigende Relevanz dieser Kompetenzen ein besonderer Handlungsdruck: "Auch die ältere Generation benötigt digitale Kompetenzen, um sich im Alltag selbständig zurecht zu finden und möglichst lange autonom in der vertrauten Umgebung zu bleiben", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Dazu müssen gerade Älteren niedrigschwellige Angebote vermittelt werden, um digitale Kompetenzen zu erwerben. Hier sind auch die Kommunen gefordert, entsprechende Assistenzinfrastrukturen aufzubauen und zu unterstützen." Das Spektrum möglicher Lösungsansätze zeigt die Studie "Digital souverän? Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter": Zum Beispiel die Initiativen "SeniorenNetz des Netzwerks Märkisches Viertel", die Stadtteilbibliothek Köln-Kalk oder die "Versilberer Partys" des Vereins "Wege aus der Einsamkeit e.V." in Berlin. Diese Möglichkeiten bieten niedrigschwelligen Zugang zu digitalen Lernangeboten, oder reale Orte um persönliche Erfahrungen auszutauschen. Nur durch das gemeinsame Engagement von Kommunen, Zivilgesellschaft und Bildungsinstitutionen kann die digitale Souveränität der Älteren gestärkt werden.

Zusatzinformationen

Die Studie "Digital souverän? Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter" wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Institut für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH erstellt. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitaler Souveränität wird ergänzt durch Handlungsempfehlungen und ausgewählte Praxisbeispiele, die mögliche Lösungsansätze beschreiben. Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine repräsentative telefonische Befragung (CATI-Technik, Dual Frame) in der deutschsprachigen Bevölkerung durchgeführt. Befragt wurden rund 1.000 Personen ab 14 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland im Zeitraum vom 26. April 2019 bis zum 03. Mai 2019.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.

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