Rote Liste für Madagaskars Reptilien: Fast 40 Prozent vom Aussterben bedroht

Unter den Reptilien Madagaskars finden sich so faszinierende Kreaturen wie Zwergchamäleons und Plattschwanzgeckos. Ein Großteil von ihnen kommt nirgendwo sonst auf der Erde vor. Durch Abholzung, Jagd und Tierhandel sind jedoch fast 40 Prozent dieser einzigartigen Tiere vom Aussterben bedroht. Die gute Nachricht: Ein konsequenter Naturschutz könnte ihr Verschwinden noch verhindern. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die heute (11. August) von einem Team internationaler Forscherinnen und Forscher unter Beteiligung von Experten der Technischen Universität Braunschweig in der Fachzeitschrift PLoS ONE publiziert wurde.

Madagaskar ist berühmt für seine einzigartige Natur. Eine besondere Faszination rufen viele der Reptilien hervor – darunter farbenprächtige Chamäleons, Riesenschlangen, Geckos und Schildkröten. Ein Team internationaler Forscher hat jetzt erstmals den Gefährdungsstatus aller madagassischen Reptilien ermittelt. Unter maßgeblicher Beteiligung des Evolutionsbiologen Professor Dr. Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig, der seit über 20 Jahren in Madagaskar forscht, haben sie eine Rote Liste für die Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature – IUCN) erstellt. Die Ergebnisse zeigen, dass 39 Prozent der Arten vom Aussterben bedroht sind.

Die Abholzung des Regenwaldes zur Holzgewinnung und Landwirtschaft bedroht insbesondere die über 360 Arten von Echsen und Schlangen der tropischen Insel, einschließlich der Geckos und Chamäleons. Die Situation der madagassischen Schildkröten ist besonders dramatisch: Alle vier Landschildkröten sowie die wasserlebende Schienenschildkröte wurden als stark gefährdet eingestuft. Sie werden illegal in immer größeren Mengen gefangen und über den illegalen Tierhandel meist nach Asien geschmuggelt, oder sie werden für den Verzehr ihres Fleisches in Madagaskar gesammelt.

Schutzgebiete könnten Überleben sichern

Trotz der beunruhigenden Zahlen hoffen die Forscher, dass die madagassischen Reptilien überleben. Denn fast alle der bedrohten Arten konnten in den letzten Jahren noch im Freiland beobachtet werden. Hinzu kommt ein Netzwerk von Naturschutzgebieten, das auf Madagaskar seit 2003 systematisch ausgebaut worden ist. Auch wenn die Wälder in den Gebieten nicht vollständig vor Abholzung geschützt sind, bieten sie bedeutende Rückzugsgebiete für gefährdete Tiere und Pflanzen. Die Informationen aus der Studie sind entscheidend, um die begrenzten Ressourcen in der Naturschutzarbeit auf Madagaskar zielgerichtet einsetzen zu können. Professor Miguel Vences hebt insbesondere die positiven Aspekte hervor: „Unsere Ergebnisse belegen die enorme Bedeutung der neuen Naturschutzgebiete. Und es ist erfreulich, dass wir bislang so gut wie keine Arten verloren haben. Auch wenn einige kurz vor dem Aussterben stehen – es gibt noch die Chance, sie durch intensive Naturschutzarbeit für die Nachwelt zu erhalten."

Kontakt:

Prof. Dr. Miguel Vences
Technische Universität Braunschweig
Zoologisches Institut
Mendelssohnstr. 4
38106 Braunschweig
Tel.: : ++49 531 391 3237
m.vences@tu-bs.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.

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