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Grippe trifft besonders Menschen mittleren Alters

Experten des HZI geben eine Einschätzung der Lage und erklären die Ursachen

Die Grippewelle ist da. Wie üblich zu dieser Jahreszeit, nehmen in den letzten Wochen die Influenzafälle in Deutschland zu. Prof Klaus Schughart, Leiter der Abteilung Infektionsgenetik, Prof. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie, und Prof. Carlos A. Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie, am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig äußern sich zur aktuellen Lage und den Hintergründen.

„Wir können aktuell einen Anstieg beobachten, der nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit ist. Nach dem bisherigen Verlauf zu urteilen, erwarten wir den Höhepunkt in etwa zwei bis drei Wochen“, sagt Klaus Schughart. Wie schlimm die Grippewelle in diesem Jahr wird und ob der Höhepunkt wirklich wie erwartet auftritt, lässt sich hingegen noch nicht sagen.

Einen entscheidenden Unterschied zu vergangenen Grippewellen gibt es allerdings, denn die Grippe trifft in diesem Jahr eine Bevölkerungsgruppe besonders schlimm, die normalerweise kaum unter ihr zu leiden hat. „Die aktuelle Grippewelle trifft nach ersten Erkenntnissen Menschen mittlerer Altersgruppen, also Menschen zwischen 15 und 59 Jahren, häufiger und schwerer, als bei Grippewellen, die von anderen Virusstämmen dominiert werden. Normalerweise sind vor allem Kinder und ältere Menschen, also Menschen mit einem noch nicht ausgereiften oder bereits geschwächten Immunsystem betroffen“, sagt Krause.

Dominant ist in diesem Jahr der Virusstamm A(H1N1)pdm09. „Etwa 70 Prozent der bisherigen Erkrankungen sind auf diesen Virusstamm zurückzuführen. Im letzten Jahr waren es nur etwa 15 Prozent. Damals dominierte der H3N2-Stamm“, sagt Guzmán. Die derzeit dominierende Variante des H1N1-Stammes ist noch sehr jung und trat erstmals 2009 auf. Da die Variante zunächst bei Schweinen zirkulierte, erhielt sie damals den Beinamen „Schweinegrippe“. „Inzwischen ist diese Bezeichnung aber nicht mehr sinnvoll, denn der Virusstamm wird mittlerweile hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertagen. Die Übertragung von Schwein zu Mensch spielt hier inzwischen epidemiologisch keine Rolle mehr“, sagt Krause.

Identisch ist aber, dass auch im Jahr 2009 vergleichsweise häufig schwere Erkrankungen in der mittleren Altersgruppe zu beobachten waren. „Ein Grund dafür ist vermutlich, dass diese Altersgruppe noch nicht so häufig Gelegenheit hatte, eine Immunität gegen den Virusstamm aufzubauen. Das liegt daran, dass wir es mit einer relativ neuen Variante zu tun haben“, sagt Krause. Normalerweise entwickelt der Körper eine Immunität gegen Viren, mit denen er bereits in Kontakt war, beziehungsweise die er erfolgreich bekämpft hat. Diese Immunität kann entweder durch eine Impfung zustande kommen oder durch eine natürliche Infektion. „Personen mittleren Alters hatten vielleicht einfach noch keinen Kontakt mit einem Virusstamm, der dem aktuellen ähnlich ist. Deshalb sind sie schlechter geschützt, als ältere Menschen, die einer ähnlichen Variante des Virus bereits begegnet sind“, sagt Guzmán.

Ob der aktuell empfohlene Grippeimpfstoff die Grippewelle verhindern kann, lässt sich dahingegen kaum voraussagen. „Vorläufige Daten aus der Saison 2013/2014 hatten gezeigt, dass der Influenza-Impfstoff gegen den aktuell dominierenden Virusstamm A(H1N1)pdm09 nur eine mäßige Wirksamkeit hatte. Wie sich das in dieser Saison verhält, kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden“, sagt Krause. Im Winter 2014/2015 zeigte der Impfstoff eher eine schlechte Wirkung. „Der Grund war vor allem, dass sich das Virus während der Saison verändert hat. Gegen den Virustyp vom letzten Jahr wirkt der aktuelle Impfstoff sehr gut. Wie er gegen den aktuell dominierenden Stamm wirkt, lässt sich noch nicht sagen“, sagt Guzmán.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.

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