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Typ 2-Diabetes: Weitere Therapieansätze sinnvoll und wichtig

Diabetes Typ 2 entwickelt sich zur Pandemie: In den USA, in Asien, in Afrika, in Mitteleuropa – überall steigen die Fallzahlen. In den letzten Jahren konnten die Behandlungsmöglichkeiten um mehrere neue Ansätze erweitert werden. Beim Workshop der Paul-Martini-Stiftung „Medikamentöse Diabetes Typ 2-Therapie in Deutschland – quo vadis?“ unter der Leitung von Prof. Dr. med. Stefan Endres von der Universität München wurde am 09.04.2014 Zwischenbilanz darüber gezogen, was die neuen Behandlungsmöglichkeiten leisten und welches Therapiemanagement dafür nötig ist. Zudem wurde ein Ausblick auf in Entwicklung befindliche Therapiestrategien geworfen.

„Diesem Workshop kommt zugute“, so Endres, „dass an den Neuerungen in der Diabetes-Therapie in erheblichem Umfang Forschungseinrichtungen und Kliniken in Deutschland beteiligt sind. Zudem hat die Bundesregierung im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung die hiesige Expertise gebündelt, damit Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung möglichst rasch für die Patienten in Form neuer Therapien nutzbar werden.“

Referenten des Workshops korrigierten einige gängige Missverständnisse über Typ-2-Diabetes. So ist die Krankheit nicht nur Folge eines „falschen Lebensstils“, sondern hat eine komplexe und zum großen Teil auch genetisch bestimmte Pathogenese, wie Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Hamburg, betonte. Auch sind die Patienten nicht nur durch schlecht kontrollierte Schwankungen des Blutzuckerspiegels gefährdet, sondern mehr noch durch die Spätkomplikationen, insbesondere dem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Erfreulicherweise sei die Krankheit durch Änderung des Lebensstils modifizierbar und auf mehrere Arten medikamentös behandelbar, so Müller-Wieland, doch könne von zureichenden Behandlungsmöglichkeiten noch nicht die Rede sein. Deshalb spreche sich auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft dafür aus, in die Entwicklung weiterer Therapieprinzipien zu investieren.

Unterschiedliche Ansichten gab und gibt es immer wieder, wenn es um die Bewertung der neuen Therapiemöglichkeiten geht. Dies liegt daran, dass Diabetes eine chronische Erkrankung ist, deren Komplikationen sich erst nach Jahren bis Jahrzehnten voll bemerkbar machen. Daher ist die Abschätzung des Zusatznutzens einer neuen Therapie gegenüber den schon länger praktizierten kurz nach der Zulassung schwierig und für alle Beteiligte – für den Gemeinsamen Bundesausschuss, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG und die Pharmafirmen ebenso wie für Ärzte und Patienten – eine große Herausforderung.

Mehrere Medikamente, die in den letzten Jahren in die Therapie eingeführt wurden, wirken über eine Modulation der Darmhormon-gesteuerten Insulinausschüttung. Prof. Dr. med. Thomas Haak, Bad Mergentheim, stellte diese sogenannten GLP-1-Mimetika und DPP-IV-Hemmer beim Workshop vor. Laut Haak hätten sie sich als gut verträglich erwiesen und zeigten im Vergleich zu einigen älteren Medikamentenklassen Vorteile hinsichtlich der Gewichtsentwicklung der Patienten und beim Risiko von Hypoglykämien, also Phasen mit zu niedrigem Blutzuckerspiegel.

Durch noch weitergehende medikamentöse Modulation des Systems von Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Fettgewebshormonen kann die Diabetestherapie möglicherweise weiter verbessert werden. Das ist das Ergebnis von Forschungen am Helmholtz Diabetes Center und der Technischen Universität, München, über die Prof. Dr. med. Matthias Tschöp berichtete. Mehrere neu entwickelte Wirkstoffe, die die Wirkung von gleich zwei oder drei verschiedenen Hormonen imitieren, ohne die Molekülgröße eines Einzelhormons zu verändern, befinden sich bereits in Zusammenarbeit mit mehreren Pharma-Unternehmen in der klinischen Erprobung. Diese neuen Kandidatenmoleküle sind möglicherweise geeignet, noch konsequenter als andere Therapeutika bei den Patienten eine massive Gewichtsreduktion zu erreichen und gleichzeitig den Blutzucker zu regulieren.

Die Paul-Martini-Stiftung

Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden.

Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, der als Verband derzeit 45 forschende Pharma-Unternehmen vertritt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.
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