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SWEETHEART-Register: Frauen mit Myokardinfarkt und Diagnose Diabetes sterben häufiger als Männer

Beim europäischen Diabeteskongress (EASD: European Association for the Study of Diabetes) in Berlin wurden kürzlich Daten des Myokardinfarkt (MI)-Registers SWEETHEART (Risk Management of Diabetics with Acute Mycardial Infarction) zum 3-Jahres-Follow-up präsentiert. Im Vergleich zu Männern nach einem akuten STEMI (ST-Elevated Myocardial Infarction) oder NSTEMI (Non-ST-Elevated Myocardial Infarction), der nicht länger als 24 Stunden zurückliegt, haben Frauen, bei denen zusätzlich Diabetes festgestellt wird, eine schlechtere Prognose. Weibliche Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes nach MI versterben häufiger als männliche Patienten.

SWEETHEART untersucht neben der Infarktbehandlung die Glukosestoffwechselsituation von Patienten. Das Register wurde von der Stiftung DHD und der Stiftung für Herzinfarktforschung mitinitiiert. Seit 2007 hat SWEETHEART 2767 konsekutive Patienten eingeschlossen. Gut die Hälfte des untersuchten Kollektivs wurde wegen eines STEMI (52,1% der Frauen, 54,3% der Männer) stationär aufgenommen, bei 47,9% der Frauen und 45,7% der Männer war ein NSTEMI der Einweisungsgrund. Erste Unterschiede zeigten sich in der MI-Behandlung. Die Pharmakotherapie mit Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Statinen und Beta-Blockern war zwar relativ ausgewogen, die Frauen bekamen aber weniger ACE (Angiotensin Converting Enzyme)-Hemmer (81,9% vs. 86,0%). Bei nicht einmal der Hälfte der Infarktpatienten wurde der neu diagnostizierte Diabetes behandelt. Nur 46,6% der Frauen und 37,2% der Männer bekamen eine antidiabetische Therapie. In Bezug auf interventionelle Verfahren erhielten die männlichen Patienten zu 96,7% eine Koronarangiographie, die weiblichen Patienten zu 94,6%. Bei den Frauen führte man die Angiographie zu 39,3% bei 1-Gefäßerkrankung, zu 28,6% bei Gefäßerkrankung und zu 32,1% bei 3-Gefäßerkrankung durch. Bei den Männern wurde die Indikation zu 33,3% bei 1-Gefäßerkrankung, zu 31,1% bei 2-Gefäßerkrankung und zu 35,6% bei 1-Gefäßerkrankung gestellt.

Hinsichtlich der Prävalenz von gestörtem Glukosestoffwechsel bestätigte sich in SWEETHEART, was Studien zunehmend zeigen. Bei zwei Drittel der Infarktpatienten konnten Störungen im Glukosestoffwechsel (gestörte Nüchternglukose, gestörte Glukosetoleranz, neu diagnostizierter Diabetes oder bekannter Diabetes) nachgewiesen werden. Mit 68% waren die Frauen stärker betroffen als die Männer (60,5%). Der Anteil der Patienten, bei denen ein manifester Diabetes mellitus vorlag und bekannt war, betrug 30,2% beim weiblichen und 23,1% beim männlichen Geschlecht. Bei Patienten ohne vorbekanntem Diabetes wurde vier Tage nach Auftreten des akuten MI ein oraler Glukose-Toleranz-Test (oGTT) durchgeführt. Bei 30,5% der Frauen und bei 21,8% der Männer konnte Diabetes mellitus erstmals diagnostiziert werden. Die Vorstufen zur Erkrankung wiesen 13,2% der weiblichen und 11,3% der männlichen Untersuchten auf.

Im Vergleich zu Männern litten Frauen häufiger unter Hypertonie (79,7% vs. 68,7%). Sie hatten im Mittel höhere Werte bei Blutglukose (137mg/dl vs. 127mg/dl) und HbA1c (6,1% vs. 5,8%), allerdings rauchten sie weniger als die männlichen Patienten (24,7% vs. 40,0%). Mit Blick auf die Diabetestherapie waren die Frauen häufiger mit Insulin eingestellt (39,3% vs. 27,1%). Die Behandlung der Männer erfolgte nicht selten mit Diät allein (42,2% vs. 39,3%) oder mit oraler Medikation (36,9% vs. 27,5%).

Die Daten aus SWEETHEART zur 3-Jahres-Mortalität zeigen, dass Frauen seltener als Männer starben, wenn der Diabetes im Vorfeld bekannt war (30% vs. 35,4%). Wurde die Diagnose Diabetes mellitus bei Frauen erst nach Auftreten von STEMI oder NSTEMI neu gestellt, lag die Mortalität höher als bei Männern. Drei Jahre nach Myokardinfarkt verstarben 30,5% der weiblichen und 21,8% der männlichen Patienten.

SWEETHEART-Study-Group: Anselm K Gitt (1), Andrea Papp (1), Frank Towae (1), Evelyn Deeg (2), Jochen Senges (2), Ralf Zahn (2), Peter Bramlage (3), Diethelm Tschöpe (4)

(1) Herzzentrum Ludwigshafen, Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen
(2) Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen an der Universität Heidelberg
(3) Institut für Pharmakologie und präventive Medizin, Mahlow
(4) Herz- und Diabeteszentrum NRW, Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen

Weitere Informationen unter info@stiftung-dhd.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.
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