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Diabetes und Alzheimer-Krankheit: Demenzpatienten brauchen eine besondere Diabetestherapie

In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Menschen an Diabetes mellitus. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen sind 18 bis 28 Prozent betroffen. Erkranken Diabetiker zusätzlich an einer Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten, wird die Diabetestherapie oftmals zu einer besonderen Herausforderung. Denn ein Patient, der sich der Insulingabe oder der Medikamenteneinnahme verweigert, läuft Gefahr, dass sein Blutzuckerspiegel bedrohlich ins Schwanken gerät.

Wie Ärzte Demenzpatienten mit Diabetes angemessen therapeutisch begleiten können, berichtet Privatdozent Dr. med. Daniel Kopf, Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg, auf der 5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Veranstaltung findet vom 11. bis 12. November 2011 in Berlin statt.

Jeder vierte Bewohner einer Pflegeeinrichtung in Deutschland ist zuckerkrank. Mit dem Alter steigt auch das Risiko, andere alterstypische Krankheiten zu bekommen. „Wenn man alte und hochaltrige Diabetespatienten behandelt, muss die Therapie immer auf andere Grunderkrankungen abgestimmt werden“, erklären die Tagungspräsidenten Privatdozent Dr. med. Michael Hummel und Privatdozent Dr. med. Martin Füchtenbusch von der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München.

Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen, die an einer Demenz leiden. 800 000 von ihnen haben die Alzheimer-Krankheit. „Patienten, die zugleich an Diabetes mellitus und an Alzheimer erkrankt sind, müssen anders therapiert werden als normale Diabetiker“, sagt Privatdozent Dr. med. Daniel Kopf, Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg. Die Alzheimer-Krankheit gehe bei 80 Prozent der in Heimen untergebrachten Patienten mit Verhaltensauffälligkeiten einher. Mitunter beschimpfen die Betroffenen Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige, sie zeigen bedrohliches Verhalten, leiden an Wahn, Apathie und Antriebslosigkeit oder verweigern die Nahrung und die Einnahme der Medikamente. Einige Patienten laufen auch unruhig umher oder gehen auf Wanderschaft. Für Diabetiker jedoch können diese Demenzerscheinungen lebensbedrohliche Komplikationen mit sich bringen. Wenn sie die Einnahme oraler Antidiabetika verweigern, die Insulingabe ablehnen, nichts Essen wollen oder durch ständiges Umherlaufen vermehrt Kalorien verbrauchen, besteht die Gefahr, dass der Blutzucker außer Kontrolle gerät. Zudem geht die Demenz schon in frühen Erkrankungsstadien mit Gewichtsverlust einher, womit der Bedarf an blutzuckersenkenden Medikamenten sinkt.

Dr. Kopf fasst die Hauptprobleme zusammen: „Es ist ein Auf und Ab von Unter- und Überzucker. Die Stoffwechsellage dieser Patientengruppe ist schwer zu kontrollieren. Es kommt häufig zu Unter- und Überzuckerungen. Zudem besteht die Gefahr der Unterernährung.“ Die Therapieziele müssten für Demenzpatienten deshalb angepasst werden. „Bei diesen Patienten geht es nicht um die Prävention der Diabetes-Langzeitkomplikationen, denn die Demenz verkürzt die Lebenserwartung. Für die Ernährung des Patienten heißt das entgegen der sonst üblichen Empfehlungen: Zuckerhaltige Nahrungsmittel und die Kalorienanzahl sind nicht mehr beschränkt.“ Da die kognitive Leistungsfähigkeit durch Unterzuckerungen verschlechtert wird, sollten Antidiabetika bevorzugt werden, bei denen das Risiko einer Unterzuckerung gering sei.

„Diabetes und Demenz – Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten im klinischen Alltag“ ist eines von über hundert spannenden Vortrags- und Diskussionsthemen auf der Herbsttagung der DDG vom 11. bis 12. November 2011 im ICC Berlin. Das vollständige Tagungsprogramm ist im Internet unter http://www.herbsttagung-ddg.de abrufbar.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.
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