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Das Kompetenznetz Diabetes mellitus – die ersten Ergebnisse

Seit über zwei Jahren erforschen Wissenschaftler aus sieben Verbunden des Kompetenznetzes die Volkskrankheit Diabetes. Das erklärte Ziel des Forschungsnetzwerks ist es, in 25 Teilprojekten den Ursachen von Diabetes auf den Grund zu gehen, die Entstehungsbedingungen zu erforschen und die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Inzwischen gibt es die ersten Ergebnisse im Überblick.

Typ-1-Diabetes und Gene

Univ.-Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München und Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München fand zusammen mit ihrem Team im Rahmen der TEENDIAB-Studie heraus, dass das Gen IFIH1 (Interferon induced with helicase C domain 1) die Entwicklung von Typ-1-Diabetes beeinflusst. Das Protein IFIH1 ist für die Erkennung von Virus-RNA zuständig. Es reguliert somit die angeborene Immunabwehr gegenüber Viren. Man nimmt an, dass eine Virusinfektion das IFIH1 Gen aktiviert und es dadurch zur Ausschüttung des immunstimulierenden Proteins Interferon kommt. Dies hemmt zwar die Virusvermehrung, jedoch lockt es auch die zytotoxischen T-Zellen an, die möglicherweise Betazellen erkennen und zerstören. Somit scheinen Virusinfektionen die Entwicklung von Typ-1-Diabetes zu fördern. Diese Vermutung stützt sich auch auf die Tatsache, dass seltene Varianten des IFIH1 Gens sogar vor Typ-1-Diabetes schützen, was durch eine verminderte Expression und Funktion des IFIH1 Gens hervorgerufen ist.

Eine aktuelle Untersuchung zeigte, dass das IFIH1 Gen nicht die Enstehung von Insel-Autoantikörpern, sondern das Fortschreiten hin zu einem manifesten Diabetes beeinflusst. Menschen mit dem Risikogenotyp entwickeln Typ-1-Diabetes also wesentlich rasanter als Menschen ohne den Risikogenotyp. Die Ergebnisse legen erstmals nahe, dass möglicherweise Viren und Virusinfektionen die Geschwindigkeit des Zerstörungsprozesses, der zu Typ-1-Diabetes führt, mit bestimmen.

Autoimmunerkrankungen und Typ-1-Diabetes

In einer groß angelegten, multizentrischen Analyse von 28.671 jungen Patienten mit Typ-1-Diabetes aus Deutschland und Österreich untersuchte der Verbund FPD unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Holl an der Universität Ulm Diabetes-spezifische Antikörper und das gleichzeitige Auftreten von anderen Autoantikörpern. In 19,6 Prozent der Fälle zeigten sich zusätzliche Schilddrüsen-Autoantikörper. Weibliche Kinder und Jugendliche aus dieser Gruppe waren häufiger davon betroffen (62 Prozent). Die Nachweishäufigkeit von Schilddrüsen-Autoantikörpern wies einen Höhepunkt im Alter von 12 bis 18 Jahren auf. Die Zöliakie-Autoantikörper belegen den zweiten Platz der sekundären Autoimmunität bei Typ-1-Diabetes.

Treg-Zellen – die ausgleichende Kraft des Immunsystems

Typ-1-Diabetes ist dadurch gekennzeichnet, dass sich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems gegen den eigenen Körper richten und die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstören. Dr. Karsten Kretschmer am DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien der Technischen Universität Dresden aus dem Verbund TREPPYD ist es gelungen, eine Vorläuferpopulation von Treg-Zellen außerhalb des Thymus auszumachen, welche im gereiftem Zustand die Fähigkeit besitzen, zerstörerische Zellen des Immunsystems zu hemmen. Diese Zellen könnten in hoher Zahl dazu beitragen, bisher unheilbare Autoimmunerkrankungen, zu denen auch Typ-1-Diabetes gehört, zu verhindern oder besser zu behandeln.

Laufende Studien

Inzwischen laufen unter dem Dach des Kompetenznetzes Diabetes mellitus sieben Probandenstudien, die bundesweit an unterschiedlichen Aspekten der Erkrankung arbeiten und noch Studienteilnehmer aufnehmen.

Pädiatrische Forschungen

Die Studie TEENDIAB möchte Einflüsse auf die Entstehung von Typ-1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter untersuchen (www.teendiab.de – Studienhotline: 0800-8284868). Das bayernweite Diabetesregister DiMelli sammelt Blutproben von Kindern und Jugendlichen, um mehr über mögliche Auslöser von Typ-1- und Typ-2-Diabetes herauszufinden (www.dimelli.de – Studienhotline: 0800-8284868). Eine Studie aus dem Verbund FPD beschäftigt sich mit der Entstehung von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen und dessen Abgrenzung vom Typ-1-Diabetes (www.peda-qs.de).

Typ-2-Diabetes im höheren Alter

MIND-DIA beschäftigt sich mit den Zusammenhängen von Depression und Diabetes und deren Behandlungsmöglichkeiten im Alter von 65 bis 85 Jahren (www.beratung-diabetes.de – Studienhotline: 0234-5077-3223). Die Studie INSULA möchte das Nachlassen der mentalen Leistungsfähigkeit durch die Verabreichung von Insulin-Nasenspray verhindern. Kontakt: Herr Dr. Siemann (0201-8707-202), Herr Dr. Hallschmid (0451-500-5355)

Diabetes und Trisomie 21 – der besondere Diabetes

Menschen mit einem Down-Syndrom erkranken besonders häufig an Autoimmunerkrankungen und damit auch an Typ-1-Diabetes. Die Ursachen hierfür sind noch ungeklärt. Um mögliche Zusammenhänge und auch genetische Ursachen zu erkennen, sucht diese Studie noch weitere Teilnehmer mit einem Down-Syndrom, die auch an einem Diabetes erkrankt sind.

In laufenden und zukünftigen Studien möchten die Wissenschaftler noch weitere, ungeklärte Aspekte des Diabetes erforschen und die ersten Resultate von der Forschung in die Praxis umsetzen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.
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