Licht, Wind und Feuer: Astronomische Aufnahme zeigt eine kosmische Skulptur

ESO-Bildveröffentlichung 10-08: Die ESO hat heute dramatische neue Bilder von NGC 346 veröffentlicht, dem hellsten Sternentstehungsgebiet in unserer Nachbargalaxie, der Kleinen Magellanschen Wolke. Licht und Teilchenwinde der massereichen Sterne haben das leuchtende Gas in und um diesen Sternhaufen auseinandergetrieben. Dabei sind feine Nebelstrukturen entstanden, die an ein Spinnennetz erinnern. Wie viele der schönsten astronomischen Bildmotive ist auch NGC 346 stetig in Veränderung begriffen: Langfristig werden dort weitere Sterne entstehen und das Erscheinungsbild dieser kosmischen Skulptur merklich verändern.

Astronomie - NGC 346

NGC 346 ist rund 200 Lichtjahre groß (was in etwa dem Fünfzigfachen des Abstandes zwischen der Sonne und ihren nächsten Nachbarsternen entspricht). Es handelt sich um einen offenen Sternhaufen, also um eine Gruppe von Sternen, die alle aus derselben kollabierenden Materiewolke entstanden sind. Der Nebel, der die Sterne umgibt, ist ein Emissionsnebel: Sein Gas ist von den Sternen soweit aufgeheizt worden, dass es von sich aus leuchtet, ähnlich es bei Neon in Neonlampen der Fall ist.

Viele der Sterne in NGC 346 sind nur einige Millionen Jahre alt, und damit im kosmischen Maßstab vergleichsweise jung [vgl. die (englischsprachige) Pressemitteilung http://www.eso.org/public/news/eso0834]. Auslöser ihrer Geburt dürften starke Teilchenwinde gewesen sein, mit denen ein massereicher Stern die ihn umgebende Materie verdichtete. Die verdichtete Materiewolke kollabierte dann unter ihrer eigenen Schwerkraft, bis die Materie darin in einigen Regionen so dicht und heiß geworden war, dass es zu Kernfusionsreaktionen im großen Stil kam - und damit zur Geburt neuer Sterne, welche die übriggebliebene Gas- und Staubmaterie hell beleuchteten. Materiereiche Regionen, in denen viele Sterne entstehen, sind für einige der reizvollsten kosmischen Szenen verantwortlich, die sich mit Teleskopen beobachten lassen.

NGC 346 befindet sich in der Kleinen Magellanschen Wolke, einer Zwerggalaxie, die rund 210.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Tukan steht. Die Kleine Magellansche Wolke ist einer der nächsten Nachbarn unserer Heimatgalaxie, der deutlich größeren Milchstraße. Wie ihre Schwestergalaxie, die Große Magellansche Wolke, ist die Kleine Magellansche Wolke von der Südhalbkugel aus mit bloßem Auge sichtbar, und dient den Astronomen als extragalaktisches Laboratorium, in dem sich Sternentstehungsprozesse untersuchen lassen.

Das jetzt veröffentlichte Bild wurde mit dem Wide Field Imager (WFI) aufgenommen, einer astronomischen Kamera mit besonders großem Blickfeld, die am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile installiert ist. Bilder wie dieses liefern den Astronomen wichtige Informationen über die Geburt und Entwicklung von Sternen, und zeigen, wie Sterne ihre kosmische Umgebung im Laufe ihrer Entwicklung beeinflussen und verändern.

Hintergrundinformationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, und VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Foto: Die Sternentstehungsregion NGC 346 Bild: ESO

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.

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